Diskursethik Weekly
Moderatoren: hessen-wohin, General Amnestie
- hessen-heidegger
- Beiträge: 58
- Registriert: 18. Mai 2002, 14:04
- Wohnort: In-der-Welt-sein-können
Adorno hat geschrieben:Was spricht dafür, die deutsche Geschichte nun endlich ruhen zu lassen?
und doch... reicht das?aelskling hat geschrieben:Syntaktisch durchaus ok
ich meine: hier muss eine radikale, auf nichts mehr Rücksicht nehmende dekonstruktivistische Analyse her, die in der von Adorno aufgeworfenen Frage das Sprachmaterial, die linguistischen Fallstricke, die syntaktische Verspieltheit und den atemberaubenden Kontext (ZEIT) tollkühn zur Seite schiebt und die unkontaminierte Bedeutung offenlegt.
Dies ist sicher keine leicht Aufgabe, und doch muss sich Diskursethik Weekly (womöglich unter Zuhilfenahme der neusten Forschung Jürgen Links über Normalismus und Normalität) dieser Herausforderung stellen und so die Initiative an sich reissen und den Faschismus Strang in seine Schranken verweisen wenn nicht gar völlig überflüssig machen.
und so gehts:
- als erstes muss die Syntax gebrochen werden
- dann müssen die Begriffe negiert werden
- dann eine nichtsnützige, logisch verkorkste Abstraktion
- zum Schluss mit einer Metonymie aufpeppen
das Ergebnis wird dann in Relation zu einer akzidentiell-akausalen Geschichtsauffasung gebracht, und ja... wenn man noch nicht zufrieden ist, dann die ganze Prozedur nochmal von vorne. Auf dass uns Erkenntnis zuteil werden möge!
- Das Schriftbild sollte verändert werdenhessen-heidegger
und so gehts:
- als erstes muss die Syntax gebrochen werden
- dann müssen die Begriffe negiert werden
- dann eine nichtsnützige, logisch verkorkste Abstraktion
- zum Schluss mit einer Metonymie aufpeppen
- der Satz sollte mit passendem Bildmaterial untermalt werden (Irgendwas)
- Musik, Ja, musik muss drunter, was Schweres oder was Leichtes
Dann wirkt das, sagt der Werber.
Der Text ist nicht wirklich catchy.
Da muss Unterstützung ran.
Pepp.
Dann ...
Dann ja
- Ästhetisierungstrend
- Beiträge: 33
- Registriert: 16. Aug 2002, 08:51
Die deutsche Geschichte ruhen lassen? Haha, gerne, gerne... aber nicht bevor wir sie in diesem fantastischen Simulationsmodell von Baudrillard untergebracht haben!
das Modell besteht aus 3 sog. "Simulakra":
Simulakrum erster Ordnung = Äquivalenzphase. Ziel ist Abbildung von Natur. Prinzip der Homogenität, Imitation, Identität.
Simulakrum zweiter Ordnung = Ersetzen von Imitation durch Produktion. Ziel ist Beherrschung und Bearbeitung von Natur. Prinzip der Serialität, Dialektik. Beginn der Abwendung vom und Auflösung des Realen: Bezug von Signifikat/Signifikant wird im kapitalistischen Warenaustausch erstmals aufgehoben.
Simulakrum dritter Ordnung = Ersetzen von Produktion durch Reproduktion und Simulation. Realität wird vollständig überdeckt, es gibt kein Außerhalb der Welt des Codes. Prinzip der Indifferenz, Sinnleere/-losigkeit. Semantische Äquivalenz von Signifikat und Signifikant verschwindet: Gleichsetzung aller Bedeutungen, Differenzen etc
na, wo passt da die neuere deutsche Geschichte hin? Oder braucht es dafür ein eigenes Simulakrum? Und wenn ja: wie könnte dieses aussehen?
das Modell besteht aus 3 sog. "Simulakra":
Simulakrum erster Ordnung = Äquivalenzphase. Ziel ist Abbildung von Natur. Prinzip der Homogenität, Imitation, Identität.
Simulakrum zweiter Ordnung = Ersetzen von Imitation durch Produktion. Ziel ist Beherrschung und Bearbeitung von Natur. Prinzip der Serialität, Dialektik. Beginn der Abwendung vom und Auflösung des Realen: Bezug von Signifikat/Signifikant wird im kapitalistischen Warenaustausch erstmals aufgehoben.
Simulakrum dritter Ordnung = Ersetzen von Produktion durch Reproduktion und Simulation. Realität wird vollständig überdeckt, es gibt kein Außerhalb der Welt des Codes. Prinzip der Indifferenz, Sinnleere/-losigkeit. Semantische Äquivalenz von Signifikat und Signifikant verschwindet: Gleichsetzung aller Bedeutungen, Differenzen etc
na, wo passt da die neuere deutsche Geschichte hin? Oder braucht es dafür ein eigenes Simulakrum? Und wenn ja: wie könnte dieses aussehen?
Ich glaube, mit Baudrillard ist hier wenig gewonnen. Ich bspw. habe noch gar nichts von ihm gelesen, und allein das sollte uns doch schon zu denken geben.
Dagegen hat uns Michael Walzer zu diesem Thema einiges zu sagen. In seinem schönen Aufsatz "Mut, Mitleid, und ein gutes Auge. Tugenden der Sozialkritik und der Nutzen von Gesellschaftstheorie (Dt. Zeitschrift für Philosophie, 48 (2000) S. 718) instauriert er den Typus der 'patriotischen Kritik'. Kritische Gesellschaftsanalyse ist legitim dann und nur dann, wenn sie sich ihrer Gesellschaft 'verbindet', ihr 'loyal' ist. Ein externalistischer Kritiker, welcher - als Kant'scher Solipsist - den frei gewordenen Platz des allsehenden Gottesauges einnimmt, um eine Gesellschaft grosso modo in ihren Systemzusammenhängen zu durchschauen, verschuldigt sich mithin an seiner eigenen Ontogenese, verleugnet, daß er selbst dem Volkskörper entstammt, den er bekrittelt. Dann muß er sich nicht wundern, wenn der colère publique (Luhmann, Das Recht der Gesellschaft) über ihm einbricht.
Insbesondere denke ich da natürlich an jene Unversöhnlichen, die alte Wunden aufhalten, ja Salz in sie streuen, um daraus ihren eigenen Profit zu schlagen. Wir sollten endlich aufbegehren gegen all die Miesmacher und Schwarzseher, die einfach nicht einsehen wollen, daß gewisse Stationen der deutschen Geschichte inzwischen aufgearbeitet sind.
Dagegen hat uns Michael Walzer zu diesem Thema einiges zu sagen. In seinem schönen Aufsatz "Mut, Mitleid, und ein gutes Auge. Tugenden der Sozialkritik und der Nutzen von Gesellschaftstheorie (Dt. Zeitschrift für Philosophie, 48 (2000) S. 718) instauriert er den Typus der 'patriotischen Kritik'. Kritische Gesellschaftsanalyse ist legitim dann und nur dann, wenn sie sich ihrer Gesellschaft 'verbindet', ihr 'loyal' ist. Ein externalistischer Kritiker, welcher - als Kant'scher Solipsist - den frei gewordenen Platz des allsehenden Gottesauges einnimmt, um eine Gesellschaft grosso modo in ihren Systemzusammenhängen zu durchschauen, verschuldigt sich mithin an seiner eigenen Ontogenese, verleugnet, daß er selbst dem Volkskörper entstammt, den er bekrittelt. Dann muß er sich nicht wundern, wenn der colère publique (Luhmann, Das Recht der Gesellschaft) über ihm einbricht.
Insbesondere denke ich da natürlich an jene Unversöhnlichen, die alte Wunden aufhalten, ja Salz in sie streuen, um daraus ihren eigenen Profit zu schlagen. Wir sollten endlich aufbegehren gegen all die Miesmacher und Schwarzseher, die einfach nicht einsehen wollen, daß gewisse Stationen der deutschen Geschichte inzwischen aufgearbeitet sind.
- hessen-wohin
- Abschnittsbevollmächtigter
- Beiträge: 949
- Registriert: 3. Mai 2002, 22:32
- Wohnort: tel-aviv oder wie das heisst
- Kontaktdaten:
- Saftpresse
- Beiträge: 384
- Registriert: 17. Mai 2002, 23:52
- Wohnort: Obstgarten
-
Gesprächstourist
- Beiträge: 426
- Registriert: 23. Jun 2002, 17:10
- Wohnort: Südstaaten
- hessen-heidegger
- Beiträge: 58
- Registriert: 18. Mai 2002, 14:04
- Wohnort: In-der-Welt-sein-können
Walzer, der ein strikter Gegner jedes Nationalismus ist, meint, die Kritik des Intellektuellen an der Gesellschaft soll "loyal" sein in dem Sinne, dass sie konstruktiv und kontextbezogen, mithin sogar also der Gesellschaft nützlich sein sollte. Das ist natürlich Schwachsinn, denn der wahre Intellektuelle sollte seine Kritik so unkonkret und abstrakt wie nur möglich formulieren, damit sie für kaum jemanden verständlich, geschweige denn von irgendwelchem Nutzen ist.
Interessant finde ich den im Zusammenhang mit Walzer immer wieder auftauchenden Begriff des Postintellektuellen. Was sind das für welche? Sind solche Postintellektuellen vielleicht sogar unter uns?
Interessant finde ich den im Zusammenhang mit Walzer immer wieder auftauchenden Begriff des Postintellektuellen. Was sind das für welche? Sind solche Postintellektuellen vielleicht sogar unter uns?
- Bolton Wanderer
- Beiträge: 100
- Registriert: 11. Sep 2002, 20:50
- Wohnort: Daheim
Christian Schwarzschilling dürfte der letzte Intellektuelle bei der Post gewesen sein, denke ich. Aber was sind das ...
...für Zeitschriften, die offenbar wöchentlich, in mindestens 718-seitiger Stärke erscheinen? Soetwas kenne ich sonst nur von Versandhauskatalogen.Adorno hat geschrieben:(Dt. Zeitschrift für Philosophie, 48 (2000) S. 718)
"Je größer der Stiefel, desto größer der Absatz"
- Ästhetisierungstrend
- Beiträge: 33
- Registriert: 16. Aug 2002, 08:51
Adorno hat geschrieben:Ich glaube, mit Baudrillard ist hier wenig gewonnen.
was hätte man damit nicht alles analysieren und differenzieren, interpretieren und reflektieren, abstrahieren, demonstrieren, affizieren und ja, sogar simulieren können! Disparate Begriffe zusammenbringen, metalogische Schlüsse ziehen, Deduktionen induzieren - ach was hätte man alles machen können, welche Chance vertan!
Ignorabimus?
- hessen-heidegger
- Beiträge: 58
- Registriert: 18. Mai 2002, 14:04
- Wohnort: In-der-Welt-sein-können
- hessen-heidegger
- Beiträge: 58
- Registriert: 18. Mai 2002, 14:04
- Wohnort: In-der-Welt-sein-können
vielen "Dank", Adorno. Was wäre ich ohne Ihren Rat... Allerdings kann ich den Wisch nirgends mehr finden *schaut unetschlossen auf die sich auf dem Schreibtisch türmenden Blätter und Bücher*. Aber es muss Ende der 40er gewesen sein, als ich das schrieb, nach der Kehre, jaja. Wie auch immer, diese Geschichte kann man wirklich ruhen lassen.
-
Robert Mugabe
- Beiträge: 298
- Registriert: 6. Mai 2002, 22:28
- Wohnort: Karlsruhe
- Kontaktdaten: