Beim Umgang mit technischen Gerätschaften war seit jeher der Reiz vorhanden, die Dinge aus dem Ruder laufen zu lassen. Sei es eine Fernbedienung, deren Knöpfe, hektisch gedrückt, die Fernsehprogramme schnellstmöglich vorbeiflimmern lassen, ein ferngesteuertes Auto, das mit Anlauf und Karacho gegen eine Wand geknallt wird, wieder und wieder, ein Stück Holz, auf den Schienen einer Modelleisenbahn drapiert, um die nahende Bahn aus derselben zu werfen - mitunter werden die Grenzen zum sächlich Brutalen bei weitem überschritten.
Kein Roboter, keine Ethik: zwei "Bastler" mit ihrem "Meerschweinchen"
Nicht weniger sächlich, darauf kann man sich zumindest heute noch einigen, ist die "künstliche Intelligenz" kommerzieller Unterhaltungssoftware. Bei den weltweiten Verkaufsschlagern der "The Sims"-Reihe etwa geht es um das fürsorgliche Wachen über wahlweise eigens kreierte Personen, die sowohl auf ihre Umwelt reagieren, als auch ihren Bedürfnissen mitunter lautstarken Ausdruck verleihen. Die dabei auftretenden Probleme wie Hunger, Harndrang und Hausbrand gilt es abzuwenden und zu bekämpfen.
Dieses Spielprinzip lässt sich natürlich umkehren: ein fensterloser Bau ohne Abwechslung oder sanitäre Einrichtungen und womöglich noch schlafstörende Musik von nebenan, damit nicht einmal der Fussboden noch Entspannung bietet. Da ist das Spiel konsequent - der Tod erscheint und befördert die geschundene Spielfigur gen Hades. Nach mehrtägigem Wehklagen derselben, inklusive Notdurft auf dem Parkett und Vomitus ob des Körpergeruchs, versteht sich.
Computerspiel "The Sims": Verbrechen wider die simulierte Menschlichkeit
Während hier gerade mal die kleine Schwester neben dem PC oder der "Tamagotchi-Schutzbund e.V." protestieren würden - "Nicht tot machen!", etc. - könnte es in der Zukunft überzeugtere Initiativen zum Schutze künstlichen "Lebens" geben.
Dabei muss man das Aussehen und den Verstand/Sprachschatz der Roboter zunächst als Konstanten betrachten, die sich mit wachsender Zeit zumindest einem menschenähnlichen Technologie-Stand annähern. Dass das Menschliche an sich, die Seele oder was auch immer uns antreibt, in diesen Roboter-Generationen immer noch nicht enthalten sein wird, mag einem Anthropologen oder auch einem simplen Studenten wie mir einleuchten. Doch wie echt müssen die Roboter schon sein, damit sie unseren Anforderungen an eine reale, aber untergeordnete Person genügen? Wie steht es etwa mit dem verhaltensgestörten Triebtäter, der sich über das tumbe Registrieren von Schmerzensschreien und deutlichem Widerwillen hinaus keine eingehende Beschäftigung mit dem Opfer erlaubt? Wird man diesem aus therapeutischen Gründen vielleicht einen ebensolchen Roboter zur Abreaktion zur Verfügung stellen können und dürfen?
Wie verändert letztendlich die Möglichkeit der gewaltsamen Behandlung, etwa eines Schumi-ähnlichen Tellerwasch-Roboters, den Menschen an sich und dessen Umgang untereinander. Durch Filme und Videospiele abgestumpft und zum Mord getrieben - bei solchen Schlagworten ist auch die Abstumpfung durch täglichen, schlechten Umgang mit den eigenen Robotern denkbar: "Als die geweint und geschrien hat, hab ich noch fester druffgetreten. Ich wollte doch nur, dass sie endlich ausgeht!"
Gleichwertiges Opfer oder gefährlicher Provokateur menschlicher Urtriebe: der Roboter
Allein zuhause mit dem Dienstroboter der Reihe "Magda", wenn der anfangs freundliche Tonfall umschlägt und mündet in eine Orgie der Triebbefriedigung - Stichwort "Onaniermaschine", Herr Korrektor - und da sind wir erst bei ausschaltbare Maschinen ohne kollektives Gedächtnis. Was erst, wenn die Roboter eigenständige Gruppen bilden, demonstrieren gehen oder sich gegenseitig Menschenwitze erzählen?
Der Mensch kapituliert - vor der besseren Menschlichkeit?
Eines Tages, eines Tages... the day will come.