hessen-heidegger hat geschrieben:Der Demiurg ist ein Gott, der aus schon Seiendem (Urchaos oder ähnliches) die Welt schafft, im Gegensatz zu dem aus dem Nichts Seiendes schaffenden Gott; mit gut oder böse hat das nichts zu tun.
Je nun. Es kommt sehr darauf an, von welchem Gnostizismus wir sprechen.
<i>"Daß der Demiurg mit dem Gott des Alten Testaments gleichgesetzt wird, ist für die westliche Gnosis, soweit sie die Schöpfung überhaupt erwähnt, charakteristisch. Denn der Schöpfer dieser Welt ist ja für den Gnostiker nicht der höchste Gott; sein oft zitiertes Wort aus Jes. 45,5, «Ich bin Gott und außer mir ist kein anderer», wird als Ausdruck seiner Überheblichkeit und Unkenntnis des wirklichen, über allem Erfassen stehenden Gottes aufgefaßt."</i>
Schreibt Werner Förster in seiner Einleitung zu: Die Gnosis / Erster Band: Zeugnisse der Kirchenväter, Zürich 1969 (S.20).
Und als Lehre des Gnostikers Satorninus wird immerhin überliefert (Irenäus, <i>Adv.haer.</i> I 24,2), <i>"daß Christus zur Vernichtung des Gottes der Juden gekommen sei (...) In diesem Zusammenhang ist übrigens auch Marcion zu erwähnen, der von einem früheren Gnostiker, von dem wir nicht viel mehr als den Namen kennen (Kerdon), die Anschauung übernommen haben soll, der Gott des jüdischen Gesetzes und der Propheten sei der Urheber des Bösen in der Welt. In Jesus Christus aber habe sich ein anderer, zuvor unbekannter Gott offenbart."</i> (Hans G. Kippenberg, Die vorderasiatischen Erlösungsreligionen, Frankfurt/M. 1991 [S.378f.]). Einerseits.
Andererseits ist es wiederum die Frage, ob man z.B. die Marcioniten überhaupt als Gnostiker bezeichnen darf. K. Rudolph etwa meint: eher nein (K. Rudolph, Die Gnosis, Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Leipzig 1980, S. 337-342).
Es kommt also darauf an, ob man die Definition der Gnosis eher weiter faßt (wie Herr HellBoy) oder eher enger (wie Herr Hessen-Heidegger).