der superarsch-faschismus-thread

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Saftpresse
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Beitrag von Saftpresse »

Zum Thema Vokabular: Es gibt ein Lied von Udo Lindenberg, in dem vorkommt "Deutschland-Nazihorror - absolut brutal".

Mir hat sich jedes Mal der Magen umgedreht. "Brutal" ist einfach eine Verniedlichung dieser gigantischen Vernichtungsmaschinerie.
Das hat allerdings nur am Rande was mit dem Topic zu tun (ich bemühe mich, beim Thema zu bleiben)...
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Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

Auch ich stimme Saftpresse zu.

Das Unangenehme an unserem Satiremagazin ist diese Beliebigkeit in der Wahl der Themen und der Mittel. Ob Furzkissen oder Leichenberge - mit allem spielt man halt irgendwie herum und freut sich, wenn eine Pointe herauskommt. Gresers <i>Der Führer privat</i>-Serie war sicher ein besonderer Tiefpunkt in der Blattgeschichte.

Ich für meinen Teil, liebe Schickelhube, bin keineswegs jemand, der <i>beim erblicken eines hitleravatars gleich nazi brüllt</i>. Was ich so schwer ertragen kann, ist diese - wie gesagt schon vor 15 Jahren von Eckhard Henscheid thematisierte - Unbedarftheit derer, die sich für mutig, originell und bemerkenswert halten, wenn sie ihren künstlerischen, komischen oder sonstwie kreativen Senf nun auch zu Hitler noch dazugeben. Denn sie tun's ja nicht wirklich, weil sie sich für Hitler interessieren, sondern weil sie wollen, daß man sich für sie interessiert.

Wie schrieb der <i>Spiegel</i> letzte Woche in seinem Artikel <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,22 ... html">"Die jungen Bösewichte"</a> so richtig? <i>"Ob Hitler-Porträts oder Gruppensex - Hauptsache, Kunst sieht nach Hardcore aus. Und fällt auf"</i> (vom <i>Spiegel</i> war es natürlich beifällig gemeint).
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Beitrag von Gesprächstourist »

Sehr verehrter Herr Ryan,
Ryan hat geschrieben:Ja, manchmal ist es nötig
Aber doch nicht bei Ihnen!

Jaja, ich kenne das auch, die Klischeemuster in den Köpfen ... dabei ist doch bei der diffusen Haarmode eh keinerlei Zugehörigkeit mehr zu erkennen. Was ja dann auch immer wieder dazu führt, dass die "Falschen" verdroschen werden.

Aber irgendwie knabbere ich nach wie vor daran, dass Sie sich zwecks Unverwechselbarkeit gleich die ganze "Kopfhaut abschaben" lassen. Meinen Sie nicht, dass Sie da etwas übertreiben?

Nachdenklich

Ihr GT
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bob
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Beitrag von bob »

( ... es wird immer doller... hitler und mengele... )
http://www.resinfromthegrave.com
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Beitrag von Gesprächstourist »

Sehr geehrte Frau Saftpresse,

manchmal finde ich es etwas schade, wenn man aneinander vorbeiredet, wenn man sich im Kern der Sache völlig einig ist, wie zum Beispiel wir beim Thema deutscher Faschismus.

Es geht hier doch nicht darum, dass wir uns hier gegenseitig die Gräuel des 3. Reiches dokumentieren, da wäre es eindeutig sinnvoller, uns mit Literaturverweisen und links zu behelfen. Und es ging nirgendwo um die Verniedlichung desselben.
Saftpresse hat geschrieben:Also, ich finde, das "1000jährige Reich" als "Verarsche" zu bezeichnen ist eine Verniedlichung.
Nur, wenn man die Intention hinter meinen Zeilen nicht sieht. Wie gesagt: Über die Abartigkeit dieser Zeit zu diskutieren ist für mich völlig überflüssig. Und ich hatte ganz bewusst den Terminus "1000-jähriges Reich" verwendet, weil er in sich bereits die Persiflage, die geschichtliche Absurdität birgt.

Wenn ich mir das reine Erscheinungsbild, den Auftritt der Aktivisten jener Zeit, vergegenwärtige, so ist dies ein Sammelsurium von kasperleartigen und Grotesken Verhaltensweisen, Outfits und Maßnahmen, die derjenige, der sie ertragen musste, nicht lustig finden kann, weil sie zu Symbolen einer Schreckensherrschaft geworden sind: alberne Blechabzeichen für jeden Scheiß, "furchteinflößende" Totenkopfembleme (wie die Piratenfahne beim Kinderfasching) an SS-Uniformen, alberne "fantasievolle" Kostüme für Führungspersonen, martialische Gesten (Armhochhalten, Hacken zusammenschlagen etc.), sinnlose oder läppische Floskeln als Leitsprüche ("Kraft durch Freude", "Kanonen statt Butter"), kitschige Massenaufmärsche (Reichsparteitag), sogar das KZ-Motto "Arbeit macht frei" entbehrte nicht einer gewissen Tragikomik, die zum Teil von den Insassen selbst als solche empfunden wurde. Ich halte in letzterem Zusammenhang übrigens auch die posthume Deutung als "Verhöhnung" der Opfer für unzutreffend, weil sogar dieser "kreative" intellektuelle, wenn auch idiotische Akt viel zu hoch für das einfache Gemüt der Erfinder eines solchen Mottos gewesen wäre, sie meinten es tatsächlich so, wie sie es sagten. Im 3. Reich gab es nicht einmal Humor in Form von Spott (von wenigen Ausnahmen abgesehen).

Hitler und das 3. Reich waren dumpf, abgrundtief dumm, primitiv, banal, perfide, brutal und eben kein bisschen "raffiniert" oder gar "filigran". Es war das Regime des Mobs und des Pöbels, das von einigen "Intellektuellen" und Wirtschaftsbossen zur Bereicherung unterstützt wurde.
Saftpresse hat geschrieben:... meinetwegen, aber Sie haben eben nicht das Ideologiegerüst sondern das 1000jährige Reich als Verarsche bezeichnet! Das ist für mich Verniedlichung.
Ich glaube eben, dass Sie nicht gewusst haben, was ich gemeint habe. Ich nahm das "1000-jährige Reich" als grotesken Sammelbegriff für die Verwirklichung einer Ideologie. Sollen wir jetzt hier nun wirklich Haare spalten?

Dem 3. Reich hängt nichts, aber auch gar nichts von "Großartigkeit" an. Genau diese "Großartigkeit", "Bedeutungsschwere" verleihen Sie aber diesem Brimborium, wenn Sie dem grausigen Kasperletheater nicht die Attribute zukommen lassen, die es verdient: eine dumme, primitive Verarsche, der es dank massenhafter Unterstützung gelang, sich durchzusetzen und einen totalitären Staat zu installieren. Dass diese Verarsche sich plumper, roher Gewalt bediente, steht auf einem anderen Blatt.

Kleine dumme bedeutungslose Wichte sind an Posten gekommen und zu Macht gelangt. Das ist für mich eine geschichtliche Verarsche.

Selbstverständlich hätte es den KZ-Insassen nicht geholfen, sich über ihre Peiniger schief zu lachen. Aber dadurch wird der damalige Gesellschaftsapparat nicht weniger lächerlich! Wenn Sie einem normal intelligenten Menschen, der von den Folgen nichts weiß, einen Dokufilm jener Zeit (z.B. "Triumph des Willens") vorspielen würden, käme der aus dem Kopfschütteln, möglicherweise Lachen nicht mehr raus. Genau das hatte z.B. Charlie Chaplin schon früh erkannt (und konnte trotzdem die Katastrophe nicht verhindern, klar).
Saftpresse hat geschrieben:Ein Hitlerbild an sich ist keine Satire, sondern Provokation ohne Zusammenhang.
Im Spiegel weder – noch, da ist es die pure Einfallslosigkeit, Hitler wird wohl immer noch eine gewisse "Faszination" zugestanden. Diesen Nimbus gilt es zu zerstören. Zum Beispiel durch Satire.

Ansonsten kann ich Ihre Meinung zur bisweilen sehr plakativen, vordergründigen Art von Titelblatthumor durchaus teilen. "Provokation" allein ist nicht satirisch. Manche Leute glauben heutzutage indes, "Tabuverletzung" allein sei schon Satire. Sehr oft ist es nicht mehr als pubertär.

So, jetzt ist aber erstmal Schluss. Sonst passt es nicht auf eine Web-Seite.

Und mein Cocktail wird warm. Und das wollen Sie ja wohl hoffentlich nicht, oder?

Ihr GT
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Saftpresse
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Beitrag von Saftpresse »

Liebe GT,
dass Sie es nicht auf Verniedlichung angelegt hatten, ist mir wohl klar. Trotzdem müssen Sie damit rechnen, dass andere Ihre Auffassung nicht teilen.
Gesprächstourist hat geschrieben:Wenn ich mir das reine Erscheinungsbild, den Auftritt der Aktivisten jener Zeit, vergegenwärtige, so ist dies ein Sammelsurium von kasperleartigen und Grotesken Verhaltensweisen, Outfits und Maßnahmen
Ja, wenn Sie es so sagen, wird es klar. "Das 1000jährige Reich" ist für mich jedoch mehr als das. Damit will ich nicht sagen, dass man das Lächerliche an der Nazizeit nicht satirisch darstellen soll - bitte gerne!
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justine
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Beitrag von justine »

Ich glaube, Saftpresse, der Punkt um den es geht, ist, daß man den Nationalsozialismus gerade nicht als soetwas Großes, Mächtiges und Gruseliges darstellen sollte, weil es gerade das ist was Jungnazis anziehen wird.
Wenn man weiß, man muß nur sagen : "ich bin übrigens bei der NPD", und alle haben sofort Schiß vor Dir, ist das ja eine nicht unattraktive Vorstellung.

"Verniedlichung" ist daher vielleicht gar nicht soooo eine schlechte Idee.
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Saftpresse
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Beitrag von Saftpresse »

OK, die Meinung kann man haben. Was das Lächerlichmachen von all dem, was GT aufgezählt hat, finde ich das ja ok. Aber man muss sich bewusst machen, dass es eben sehr schwierig ist, auf dummes Zeug intelligent zu reagieren (sagen Sie mal aus dem Stegreif 10 Argumente gegen die Auschwitzlüge!).

Ich weiß noch, wie der Jörg Haider bei "Talk in Berlin" war. Erich Böhme - zwar schlecht vorbereitet, aber immerhin ein erfahrener Journalist - hat ihn einfach nicht in den Griff bekommen. Auf die Dauer muss man sich schon was einfallen lassen, um diese Leute vorzuführen, zumindest, was die "Argumente" der Rechten angeht.

Was ich aber z.B. gut fand, war diese Antinazi-Werbekampagne (oder wie das hieß). Mit dem ausgestreckten Hitlerarm, der abfiel, weil er nicht in den Fahrstuhl passte... Oder der Nazi, der die Wäscheleine mit dem Hitlergruß hochhalten musste. Wenn er zu locker ließ, hieß es "hey, nicht schlapp machen - heil Hitler!". Wenn ich wüsste, ob man das noch irgendwo abrufen kann... Keine Ahnung, ob man damit was bewirkt... Aber ich fand's gut gemacht.
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Beitrag von Saftpresse »

Um vorzubeugen: Ich wollte damit nicht sagen, dass Jörg Haider ein Neonazi ist...
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fathermucker
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Beitrag von fathermucker »

Lieber GT
die Wahl Ihres Pseudonyms bei Vergewaltigungsopfern schlimme Assoziationen erwecken könnte?
Verstehe ich nicht!Ihr Avatar hingegen kann schwerste Beklemmungen bei durstigen Menschen hervorrufen,die bei schlechtem Wetter drinnen sitzen und deren Telefon abgeklemmt wurde!
Gestern habe ich nach einigen Tagen gesehen,das meine ursprüngliche Nominierung Hessen Hitlers zum Superarsch einen eigenen Strang hervorgebracht hat,dann habe ich mühselig einen tollen Beitrag mit Antworten und Zitaten getippt,war zwischenzeitlich ausgeloggt,und nach dem Einloggen war Alles WEG!!
Da hab ich dann ne Sparversion geschrieben.

Schickel:Ich habe nie Nazi gebrüllt,sondern finde nach wie vor Hessen Hitler Scheisse.
Es ist schwer,Ihnen zu folgen,wenn man die Bodenhaftung behalten will!
Sie sind dort in Bankok wohl nicht von heimlichen Alt- und Jungnazis umgeben,wie wir hier.
Es ist gut,wie Sie sich dem Thema nähern,und das Sie all die provokanten Sachen aus der Superlupo verstehen.Das setzt oft eine sehr hohe Bildung,sowie eine intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema vorraus.Insofern wirkt auch die SL auf viele Menschen zu elitär und abgehoben.Schade.

Robert M:Ihr Name ist schon fast wie Hitler,Sie tragen die Verantwortung für die derzeitige Hungersnot in Zimbabwe!
Was Sie schreiben,stimme ich aber voll zu.Viele Titel und viele Storys aus der SL sind würdelos und vordergründig auf Provokation aus.Schade
Oder ist das eine Frage des Geschmacks?

Mittlerweile achte ich darauf,da oft kleine Kinder im Haus rumlaufen,dass ich die SL nicht mehr überall herumliegen lasse.
Oder wie soll ich meiner Nichte das Bild von Stoiber im Sextest erklären?Sie ist 5.
(nur mal so als Beispiel)
Da lob ich mir doch Stulli!
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Ryan
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Beitrag von Ryan »

fathermucker hat geschrieben:Oder wie soll ich meiner Nichte das Bild von Stoiber im Sextest erklären?Sie ist 5.
Ja, da haben Sie recht. Die Jugend heutzutage wird ja immer früher gescheiter (PISA, Shakira) und aufgeklärter (AIDS, Schwangerschaft mit 12, Backstreet Boys)...
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fathermucker
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Beitrag von fathermucker »

/Ryan/Die Jugend heutzutage wird ja immer früher gescheiter
Nein!Die Jugend früher war doch immer gescheiter als heutzutage
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Bolton Wanderer
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Beitrag von Bolton Wanderer »

fathermucker hat geschrieben:...von heimlichen Alt- und Jungnazis umgeben,wie wir hier.
So, dann sehen Sie sich also von Alt- & Jungnazis umgeben. Nur manchmal oder permanent?
"Je größer der Stiefel, desto größer der Absatz"
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fathermucker
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Beitrag von fathermucker »

Permanent,bzw latent! Es sind eben diejenigen,die von ihren Eltern und in der Schule nicht aufgeklärt wurden,und meinen,sooo schlimm war es ja doch nicht.
Ahnungslose hauptsächlich.
Der größte Teil der Bevölkerung liest die Bildzeitung,und glaubt die Scheisse auch noch.
Dabei sind die meisten gar nicht blöde,sondern nur Opfer.
Victims of circumstances halt.
Zuletzt geändert von fathermucker am 4. Dez 2002, 00:26, insgesamt 1-mal geändert.
Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

fathermucker hat geschrieben: Robert M: Ihr Name ist schon fast wie Hitler, Sie tragen die Verantwortung für die derzeitige Hungersnot in Zimbabwe!
Derzeit verlasse ich mich noch auf die <a href="http://www.nytimes.com"><i>New York Times</i></a>, die am 6. September recht ausführlich darlegte, daß die Entwicklung in Zimbabwe von der schwarzen Mehrheit ganz anders bewertet wird als von den meisten westlichen Medien (unter der Überschrift "<i>Criticized by the West, Mugabe Is a Hero to Many</i>").
Doch andererseits stimmt es schon. R.M. ist - gerade in dem Zusammenhang, den wir hier diskutieren - ein womöglich unpassendes Alias. Ich werde es aufgeben. Danke für den Hinweis. Und damit zurück zum Thema!
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