Wenn Seattle das geahnt hätte!

Das Forum mit Niveau.

Moderatoren: General Amnestie, hessen-wohin

Benutzeravatar
Larifari
Beiträge: 624
Registriert: Fr Nov 01, 2002 12:51 pm
Wohnort: Sommerloch
Kontaktdaten:

Wenn Seattle das geahnt hätte!

Beitrag von Larifari »

<b>"Erst wenn Ihr feststellt, daß in Euren Fabriken keine Arbeiter mehr zu finden sind und Computer und Roboter in Euren Läden nichts einkaufen, werdet Ihr merken, daß mit Aktien kein Geld mehr zu machen ist."</b> Diese mahnenden Worte formulierte vor einigen Monaten ein seniler Kollege aus meinem hiesigen Weltverbesserungszirkel. Sein irrer Plan sah vor, daraus auch gleich noch ein Transparent zu machen und es der nur darauf wartenden Weltöffentlichkeit mittels eines <b>"Informationsstandes zum Schutz der Sparkassen"</b> vorzustellen. Diese Wahnsinnstat wußte ich nur dadurch in letzter Sekunde zu verhindern, daß ich den mir ganz "zufällig" in die Hände gefallenen Zettel mit dem darauf notierten Spruch ganz basisdemokratisch unter "Altpapier" einsortierte, wo ich ihn bei einer Entsorgung von ca. zwei Zentnern desselben vor einigen Tagen wiederfand.
Zur gleichen Zeit fand ich in meinem Briefkasten die Juli-Ausgabe der <i>SuperLupo</i>, und wer darin bis Seite 64 vorgedrungen ist (<b>"... und wenn alle Auffanggefäße voll Wasser sind, werdet ihr merken, daß euer Iglu nicht mehr steht!!"</b>), wird meinen ernüchternden Verdacht verstehen, mein heroisches Eingreifen könnte sich einmal mehr als Tropfen auf den heißen Stein erwiesen haben.

Und tatsächlich zeigte eine sofort im Internet vorgenommene Stichprobe, daß die dem Cree-Häuptling Seattle [ <a name="fnverweis1"><a href="#fn1">1</a></a> ] unterstellte Weissagung: <b>"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen wurde, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann"</b> [ <a name="fnverweis2"><a href="#fn2">2</a></a> ], eine ähnliche Verbreitung und Nachahmungsvielfalt erreicht hat wie das im oben genannten Magazin vor einiger Zeit behandelte Niemöller-Gedicht. [ <a name="fnverweis3"><a href="#fn3">3</a></a> ]
Während sich aber die Niemöllersche Vorlage noch auf reale Vorgänge bezog, hatte der Herr Seattle mit der seinen von Anfang an nicht ganz recht: Durch tausende schmierige Hände gegangene hochinfektiöse Fünf-Euro-Scheine mögen zwar alles andere als appetitlich und das Hartgeld schwer zu kauen sein, die prinzipielle Möglichkeit des Geldessens ist jedoch jedem jederzeit jejeben.
Was die nunmehr so populäre, aber tote Rothaut mit ihrem frommen Spruch eigentlich nur sagen wollte, war schlicht: "Ihr werdet schon noch sehen, was ihr davon habt", und genau das und nicht mehr ist auch die Aussage der meisten der ca. 2367 Imitationen jener "Prophezeiung", hört sich nur eben nicht so gut an.

Man könnte glauben, die meisten jener Umdichtungen stammten aus der Umweltbewegung, aber weit gefehlt: erstens hatte diese beim Aufkommen des Internets, und nur dieses wurde hier untersucht [ <a name="fnverweis4"><a href="#fn4">4</a></a> ], bereits ihren Zenit überschritten, und zweitens kann sie ja ohnehin problem- und einfallslos auf das Original zurückgreifen, denn dieses ist schließlich selbst ausreichend ökopathetisch. Die einzigen gefundenen und wenig originellen ökologischen Weiterentwicklungen stammen aus dem Antiatomkraftlager: <b>"Erst wenn der letzte Tropfen Grundwasser verstrahlt ist, werdet ihr feststellen, dass Gorleben kein sicheres Endlager für Atommüll ist."</b> [ <a name="fnverweis5"><a href="#fn5">5</a></a> ]
Typisch für das Seattle-Schema ist, daß zu jeder Tendenz in gleicher Weise eine Gegenposition formuliert werden kann, z.B. von den Langweilern in der Redaktion der <i>Zeit</i>: <b>"Erst wenn der letzte Nuklearingenieur ausrangiert, der letzte Gen- und Rüstungstechniker vertrieben und der letzte Chemiker gefesselt ist, werden sie merken, dass man Ideologie nicht essen kann."</b> [ <a name="fnverweis6"><a href="#fn6">6</a></a> ] Nuklearingenieure auf den Sperrmüll, Gen- und Rüstungstechniker zu Erika Steinbach, ich selbst meiner Freiheit beraubt, alle anderen am Verhungern? So nicht, liebe Ökos!
Doch diese wollen einfach keine Ruhe geben und stellen in einem waghalsigen Manöver das Seattle-Schema auf den Kopf: <b>"Erst wenn der letzte Meiler abgeschaltet ist, der letzte Politiker diese Verantwortungslosigkeit erkannt hat und ein sicheres Endlager gefunden ist werdet ihr feststellen, dass Castoren auch widerstandsfrei rollen können."</b> [ <a name="fnverweis7"><a href="#fn7">7</a></a> ] Das sichere Endlager - ein Schrecken für alle Atomkraftwerksbetreiber; widerstandsfrei rollende Castoren - der ständige Albtraum jedes Innenministers. Da sollten die Kraftwerke wohl besser noch ein Weilchen am Netz bleiben.

Apropos auf den und auch am Kopf, aber anderes Thema: <b>"Erst wenn die/der letzte Behinderte selbständig geworden ist, werdet ihr verstehen, daß Behinderung im Kopf beginnt"</b> [ <a name="fnverweis8"><a href="#fn8">8</a></a> ] - behindert wird hier vor allem, und augenscheinlich tatsächlich im Kopf beginnend, das Funktionieren des Seattle-Satzes.
Doch nicht nur Umweltfreaks, Zeit-Autoren und andere kopfmäßig Behinderte bedienen sich der Idee des Crazy Crees. Letztlich greifen irgendwann alle Be- und Unterdrückten der Nation [ <a name="fnverweis9"><a href="#fn9">9</a></a> ] - LKW-Fahrer, Metalfans, Sozialdemokraten, Kapitalismuskritiker und solche, die es werden wollen, Cineasten, Nahost-"Experten", Schwule, Fußballfans, Rapper, Liberale, Konsumkritiker, Antirassisten, Mittelständler, Trauernde, um ihre Bildung besorgte Schüler und Studenten, Mediziner, Montagsdemonstranten, Industriedenkmalschützer, demokratische Sozialisten, Künstler, Antiamerikaner, Feministinnen, Podcaster [ <a name="fnverweis10"><a href="#fn10">10</a></a> ] und, sofern vorhanden, ihre jeweiligen Widerparte - darauf zurück.

Die einen sagen so, die anderen sagen so; daß gilt auch für die bisweilen nicht ganz einer Meinung seienden Friedensbewegten und Militaristen. Die eigentlich erfreulich kompetente Nachwuchspazifistin Pauline Fiedler (14) darf im März 2003, in dem auf einmal alle gegen Krieg sind, sogar die <i>Berliner Morgenpost</i>, leider den folgenden Satz formulieren: <b>"Erst wenn der letzte Soldat gefallen, die letzte Stadt zerbombt und alles zerstört ist, werdet ihr verstehen, dass man Öl nicht trinken kann."</b> [ <a name="fnverweis11"><a href="#fn11">11</a></a> ] Die Freunde der Rüstung lassen sich das nicht bieten und kontern prompt: <b>"Erst wenn der letzte Panzer verschrottet, das letzte Gewehr vernichtet, der letzte Soldat entlassen ist, werdet Ihr feststellen, dass man mit Bäumen und Blumen die Freiheit nicht verteidigen kann."</b> Anstelle von <b>"die Freiheit"</b> und vermutlich synonym dafür steht in letzterem Satz auch ab und zu <b>"Europa"</b>.

<b>"Erst wenn der letzte Bibelvers in der Werbung missbraucht, der letzte Choral verulkt, der letzte Kirchenraum zertrampelt worden ist, werdet ihr merken, dass ihr ohne heilige Räume, Worte und Klänge nicht leben könnt"</b> [ <a name="fnverweis12"><a href="#fn12">12</a></a> ], so mißbraucht, verulkt und zertrampelt Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover) im November 2004 den letzten Indianervers; die Folgen sind nicht abzusehen, werden aber bei Gelegenheit noch ausgedacht. Versprochen!

Am häufigsten, und das könnte dem untersuchten Medium geschuldet sein, findet man Weisheiten aus dem Bereich der elektronischen Datenverarbeitung - erst wenn dieses und jenes letztes verkauft, patentiert, lizenziert, kommerzialisiert und/oder moderiert ist, werden die Nutzer feststellen, daß, welch Überraschung, weder Geld noch Anwälte von sich aus programmieren können. Auch dann und vermutlich erst recht nicht, wenn - warum und von wem auch immer - <b>"der letzte Programmierer eingesperrt"</b> ist. Der eingesperrte letzte Programmierer, erinnert er uns nicht allzu schmerzlich an den gefangenen letzten Fisch aus dem Original, womöglich sogar geruchlich?
Angst vor Gefangenschaft, Fischgeruch und Realität hat vermutlich auch <i>c't</i>-Leitartikler Gerald Himmelein, wenn er gegen die Copyrightmafia hetzt: <b>"Erst wenn der letzte Kunde im Kittchen steckt, werdet ihr feststellen, dass ein Knacki keine Kinokarte kaufen kann."</b> [ <a name="fnverweis13"><a href="#fn13">13</a></a> ] Er mischt sich damit in die, äh, spannende Debatte ums Filesharing ein, die von dessen Gegnern, z.B. der <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artik ... ddeutschen Zeitung</i></a>, mit nicht minder überzeugenden Methoden geführt wird: <b>"Erst wenn der letzte Kopierschutz geknackt, der letzte Song geladen, die letzte CD gebrannt ist, werdet ihr feststellen, dass man"</b> - hö, höhö - <b>"Phil Collins nicht essen kann."</b>

Die zuletzt zitierte Version des berühmten Indianersatzes deutet übrigens dessen geringfügigen Vorzug gegenüber der Niemöller-Warnung an, denn während deren Abwandlungen grundsätzlich todernst gemeint sind und man am Ende von irgend jemandem abgeholt wird, schöpfen die Seattle-Nachfolger auch gerne mal (meist jedoch nur vermeintlich) komische Neuversionen. Hält sich die Begeisterung darüber ohnehin schon in Grenzen, so möchte man schreiend, ja kreischend aus dem Fenster springen, sobald sich ein Kabarettist der Materie annimmt, z.B. Gerd Weismann: <b>"Und wie sagt eine Weissagung der weisen Weismänner vom Stamme der Weismanns: ... erst wenn der letzte Ossi zermerkelt, der letzte Schwabe verteufelt, der letzte Hesse verkocht, der letzte Bayer zersteubert, der letzte Sozialdemokrat verschrödert, der letzte Rentner verriestert, dem letzten Bürger die letzte Kohle aus der letzten Tasche gezogen und der allerletzte Politiker anstatt in U-Haft immer noch im Bundestag sitzt, wird der Wähler merken, dass er im Wahllokal nicht einkehren, mit dem Wahlschein nicht bezahlen und in der Urne nicht kostenlos bestattet ..."</b> - halt, stopp, genug, genug, Herr Weismann. [ <a name="fnverweis14"><a href="#fn14">14</a></a> ]

Wenden wir uns lieber zwei wirklich originellen Ausnahmen zu, die eine ziemliche Verbreitung gefunden haben und die vor allem dadurch recht komisch wirken, daß sie die obligatorische Gegenposition zum ursprünglichen Seattleschen Wahlspruch einnehmen. (Natürlich bin ich in der Lage, diese beiden ebenso zu widerlegen wie das Original!) Die erste lautet: <b>"Erst wenn die letzte Ölplattform versenkt, die letzte Tankstelle geschlossen, das letzte Auto stillgelegt, die letzte Autobahn begrünt ist, werdet Ihr feststellen, dass Greenpeace nachts kein Bier verkauft."</b> [ <a name="fnverweis15"><a href="#fn15">15</a></a> ] Das stimmt natürlich nur, solange Greenpeace nicht auf die Idee kommt, nächtliche Soliparties für bedrohte Indianersprüche zu veranstalten und dabei Bier zu verkaufen.
Und die zweite: <b>"Erst wenn der letzte Lappen gelöhnt, die letzte Mark verjubelt und der letzte Groschen gefallen ist, werdet ihr merken, dass man mit Bäumen nicht bezahlen kann."</b> Auch hier muß ich widersprechen, denn der Handel mit Bäumen ist durchaus nicht unüblich, Bäume sind ihrerseits in vielen Fällen also bereits eine Ware, haben also schon die Potenz, Geld zu sein, und warum sollen nach Muscheln, Silber, Gold, Zigaretten, Aluchips und Euro nicht mal die Bäume oder zumindest Baumderivate die Rolle des Zahlungsmittels übernehmen? Ich glaube, Häuptling Seattle und seine roten Brüder vom Stamme der Cree würden sich freuen.




_________________
[ <a name="fn1"><a href="#fnverweis1">1</a></a> ] Cree-Häutptling Seattle (ca. 1786 - 1866), siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Chief_Seattle oder http://www.chiefseattle.com/history/chi ... /chief.htm
[ <a name="fn2"><a href="#fnverweis2">2</a></a> ] Die englische Übersetzung des wie-auch-immer-indianischen Originals lautet <b>"Only after the last tree has been cut down, Only after the last river has been poisoned, Only after the last fish has been caught, Only then you will find out that money cannot be eaten"</b> bzw. so ähnlich.
[ <a name="fn3"><a href="#fnverweis3">3</a></a> ] vgl. <i>SuperLupo</i> 08/2001, S. 60 ff.
Das Niemöllersche Gedicht lautet folgendermaßen, vielleicht aber auch ein bischen anders:
<b>"Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich nicht protestiert;
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie die Juden holten,
habe ich nicht protestiert;
ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr, der protestierte."</b>

[ <a name="fn4"><a href="#fnverweis4">4</a></a> ] bzw. "untersucht"
[ <a name="fn5"><a href="#fnverweis5">5</a></a> ] taucht mehrfach auf, z.B. hier: http://www.x1000malquer.de/pa63494.html
[ <a name="fn6"><a href="#fnverweis6">6</a></a> ] siehe http://zeus.zeit.de/text/2003/51/Glosse_51
[ <a name="fn7"><a href="#fnverweis7">7</a></a> ] Unbekannter Anti-Atom-Aktivist auf Indymedia, siehe http://de.indymedia.org/2004/03/77622.shtml
[ <a name="fn8"><a href="#fnverweis8">8</a></a> ] http://www.behinderte.de/frau/pr5-nag.htm
[ <a name="fn9"><a href="#fnverweis9">9</a></a> ] Es sind anscheinend tatsächlich nur die Deutschen, bei denen sich das Spiel mit Meister Seattles Weissagung einer solchen Beliebtheit erfreut. Was ich auch getan habe: eine Abwandlung der englischsprachigen Vorlage konnte ich nicht finden.
[ <a name="fn10"><a href="#fnverweis10">10</a></a> ] Podcaster: Typen, die irgendwelchen Medienquatsch auf ihre Homepage setzen und das für sowas wie Internetradio halten.
Bei Interesse und Gelegenheit werde ich eine Sammlung der von mir gefundenen Beispiele <a href="http://larifari.piranho.com/" target="_blank">auf meiner Hompage</a> zusammenstellen.
[ <a name="fn11"><a href="#fnverweis11">11</a></a> ] http://morgenpost.berlin1.de/content/20 ... 89992.html
[ <a name="fn12"><a href="#fnverweis12">12</a></a> ] unter anderem hier: http://www.ev-net.de/neu/im-zitate.php
[ <a name="fn13"><a href="#fnverweis13">13</a></a> ] Editorial aus c't, Heft 26/2004, siehe http://www.heise.de/ct/04/26/003/
[ <a name="fn14"><a href="#fnverweis14">14</a></a> ] Wer sich näher für Herrn Weismann interessiert, sollte hier weiterlesen: http://www.gerdweismann.de/weismann-art ... ogramm.htm
[ <a name="fn15"><a href="#fnverweis15">15</a></a> ] Nicht nur Greenpeace verkauft nachts kein Bier; in anderen Varianten sind es Jürgen Trittin, die Grünen und der Bioladen.
Als sie die Sparkassen privatisierten, habe ich geschwiegen, denn ich war ja keine Sparkasse.
Benutzeravatar
General Amnestie
Abschnittsbevollmächtigter
Beiträge: 373
Registriert: Sa Okt 19, 2002 6:43 pm
Wohnort: Salisbury, Rhodesien

Beitrag von General Amnestie »

Potztausend!
Das haben Sie gut gemacht.
Warner Music Group represents everything that's wrong with humanity
Benutzeravatar
Barschel
Wussow Blockwart
Beiträge: 1165
Registriert: Mi Mai 22, 2002 1:58 pm
Wohnort: Hotel Beau-Rivage, Genf
Kontaktdaten:

Beitrag von Barschel »

Herr Toastbrot aka Larifari,

Respekt! Das ist ja dann noch eine beinahe wissenschaftliche Arbeit geworden. Könnte Teil einer Dissertation werden. Sind Sie Semantiker oder Literaturwissenschaftler?

Überwältigt:

B.
Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.
Benutzeravatar
Dr. Dralle
Beiträge: 469
Registriert: Mi Sep 25, 2002 12:25 pm
Wohnort: das rheinland

Beitrag von Dr. Dralle »

"erst wenn der letzte hund überfahren worden ist, werdet ihr merken, das man katzen nicht essen kann"

nur der vollständigkeit halber...
Benutzeravatar
Holz. Das Fünfte Element.
Beiträge: 145
Registriert: Do Mai 01, 2003 5:30 pm

Beitrag von Holz. Das Fünfte Element. »

Auch ich danke für diesen exzellenten Beitrag.
Larifari hat geschrieben:Was ich auch getan habe: eine Abwandlung der englischsprachigen Vorlage konnte ich nicht finden.
Eine Google-Suche nach

Code: Alles auswählen

+"only when the last" +"will realize" -tree
findet ganze zwei, die aber schwerlich von englischen Muttersprachlern stammen dürften. Die eine ist einfach eine Übersetzung des Shell-Spruches, die andere lautet
Only when the last Church has burned down and the last country has adopted Sharia law and the last woman has been veiled the Europeans will realize that Islam doesn't mean peace.
Lektüre des Kontextes erweckte in mir den Eindruck, dass auch dieses Zitat von einem Fremdsprachler stammt, beweisen kann ich es aber nicht. Der Verfasser gibt seinen Aufenthaltsort nur mit "Evil Europe, again :(" an, was mich auf die Frage bringt, ob es eigentlich in anderen europäischen Sprachen eine Tradition der Seattle-Abwandlung gibt. Könnten Forumsteilnehmer, die andere Fremdsprachen als Englisch sprechen, evtl. den jeweiligen Übersetzungswortlaut in Erfahrung bringen und dann das Äquivalent zu o. g. Google-Abfrage ausprobieren?
Sisters of Mercia/All Ruiz cooker/Sisters of Mercia/Eyes keep it teen/Sisters of Mercia/
Now do you scrubber. Turn a day
Benutzeravatar
MMC
Beiträge: 940
Registriert: So Apr 25, 2004 2:25 am
Wohnort: MMCanien
Kontaktdaten:

Beitrag von MMC »

Grandios, Herr Larifari,
mit Freude stelle ich fest, fass es sich durchaus lohnt, diesem Forum meine Aufmerksamkeit zu widmen.
MMC

[Edit:] Eine Suche unter http://www.synaptic.bc.ca/ejournal/wslibrry.htm nach der entsprechende Textstelle scheint zu zeigen, dass der gute Haeuptling gar nichts mit diesem Satz zu tun hat (hoechstens sinngemaess), ich finde bspw. nirgendwo etwas von nichtessbarem Geld. Vielleicht handelt es sich schlicht um eine deutsche Erfindung?
Peter Hartz
Beiträge: 69
Registriert: Do Sep 02, 2004 9:32 am
Wohnort: Führerbunker unter dem Vatikan
Kontaktdaten:

Beitrag von Peter Hartz »

Herrlich, Herr Larifari. Henscheid wäre bestimmt stolz auf Sie.

Vielen Dank!
"Eine Frau, die nö sagt, ist Beton."
Benutzeravatar
Olaf Ittenbach
Beiträge: 1169
Registriert: So Mär 30, 2003 9:50 am
Wohnort: Merkelsche Schweiz

Beitrag von Olaf Ittenbach »

"Nur wenn es gerodet ißt, dieses letzte Baum-letzte die letzte Tatsache, daß letzter Fischüberschuß anzeigt, den es nicht tun kann, die verschlossen war, dieses vergiftete Geld"

"Wenn der letzte gemachte Baum urbar jene vergiftet der letzte Fluß, der letzten Fisch geerntet worden ist, werden Sie nur feststellen, daß man nicht Geld essen kann"

"Only if it eats gerodet, this last tree-last the last fact that last fish surplus indicates, which it cannot do, which was locked, this poisoned money"
Der verbreitetste Ruffel ist der Unruffel!
Benutzeravatar
Verkatert
Wussow-Todesengel 2005
Beiträge: 728
Registriert: Mi Sep 24, 2003 5:01 pm
Wohnort: A3

Beitrag von Verkatert »

"Ha az utolsó fát is kivágtátok,
Ha az utolsó halat is kifogtátok,
Ha az utolsó folyót is elszennyeztétek,
Akkor fogtok rájönni, hogy pénzt enni nem lehet."


Eine simple woertliche Uebersetzung des Originals, gefunden auf einer unertraeglichen Gutmenschenseite. Die Gutmenschen hier gehen mir ohnehin gehoerig auf den Geist, insbesondere diese verfluchten Kirchengruppen. Es gibt hier einen kleinen Katholikenchor, der regelmaessig, so etwa im 2-Wochenrythmus (oje - wie schreibt man das nochmal) vor meinem Haus schwachsinnige Lieder "singt", a la "Gott wacht ueber Budapest" (wobei "ueber Budapest" immr mit besonderer Inbrunst gekraeht wird) oder "Jesus liebt auch DICH", und zeigen dann mit dem Finger auf einen beliebigen unbescholtenen Passanten.
Das ist schon wirklich eine Frechheit, die ihresgleichgen erstmal finden muss. Erstens ist es voellig ausgeschlossen, dass Jesus, sofern ueberhaupt existent, sonderlich viel von meinesgleichen haelt, zweitens ist Budapest mit seinem Luxus-Elend-Kontrast so gottlos, wie jede andere verarmte, verrotzte, von besoffenen Englaendern vollgepisste und -gekotzte Grossstadt auch.
Aber das gehoert hier nicht zum Thema, bitte verzeihen Sie die Abweichung.
Ach ja, saubere Arbeit, Herr Larifari. Ich wuenschte, ich koennte so sorgfaeltig Recherchiertes und unterhaltsam Verfasstes bieten, naja, vielleicht wenn ich mal gross bin.

"Gott" zum "Grusse",
verkatert
Dürer? Hab ich nie gelesen.
Benutzeravatar
Larifari
Beiträge: 624
Registriert: Fr Nov 01, 2002 12:51 pm
Wohnort: Sommerloch
Kontaktdaten:

Beitrag von Larifari »

Vielen Dank für die Lorbeeren; ich revanchiere mich mit einer <a href="http://larifari.piranho.com/seattle_fs.html" target="_blank">unkommentierten Zusammenstellung aller von mir gesammelten Abwandlungen des Zitats</a> auf meiner Homepage; würde ich diese hier im Forum abladen, könnten Sie dies angesichts des Umfangs zurecht als Spam bezeichnen. Allerdings habe ich dafür bei weitem nicht alle Suchtreffer ausgewertet; die Dunkelziffer dürfte also um einiges höher liegen.

Herr Holz, tjaja, ich muß leider einsehen, daß Sie im Google-Abitur eben doch besser abgeschnitten haben als unsereins. Bei dem von Ihnen angeführten Zitat habe ich schon angesichts der Grammatik Zweifel, daß es von einem native speaker kommt. Sollte es statt "Only when the last Church has burned down" nicht "Only when the last Church has been burned down" heißen? Oder täuscht mich hier mein pedantisches deutsches Schulenglisch? Oder gar mangelnde Sprachkenntnis? Wie auch immer, die englische Ausbeute bleibt gering, und auch die ungarische scheint sich auf das Original zu beschränken. Dennoch ist Ihr (Holz) Aufruf angebracht, sich in weiteren Sprachen nach Herrn Seattles Worten umzusehen, also bitte weitermachen, meine Damen und Herren!

Herr MMC, ich glaube, das untersuchte Zitat könnte zwar durchaus auch von jemandem anderes als Seattle stammen und diesem nur untergeschoben worden sein. Es wird aber meist gesondert erwähnt und nicht in einen direkten Zusammenhang mit der Rede gestellt. Insofern könnte auch hier alles seine Ordnung haben, trotzdem darf auch hier weitergeforscht werden.

Übrigens habe ich mir nach Fertigstellung meiner einleitenden Ausführungen gleich nochmal den Text zu dem Niemöller-Gedicht in der August-SL von 2001 durchgelesen und mir überlegt, was hätte passieren können, hätte der oben erwähnte alte Freizeitpolitiker dieses Gedicht gekannt. Das Ergebnis ist in meiner neuen Signatur angedeutet.
Zuletzt geändert von Larifari am So Jul 03, 2005 2:19 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Als sie die Sparkassen privatisierten, habe ich geschwiegen, denn ich war ja keine Sparkasse.
Benutzeravatar
merz
Beiträge: 73
Registriert: Mi Sep 01, 2004 1:14 pm

Beitrag von merz »

Schöne Phraseoschablone!

Finnisch:
- wörtliche Übersetzung:
"Kun viimeinen puu on kaadettu, viimeinen joki myrkytetty ja viimeinen kala tapettu, silloin he huomaavat ettei rahaa voi syödä."
(Baum ... gefällt, Fluß ... vergiftet, Fisch ... getötet, ... dann merken sie, daß man ...)

- auch gefunden:
"Kun viimeinen eläin on tapettu, viimeinen järvi saastutettu ja viimeinen puu kaadettu, silloin ihminen toteaa, ettei hän voi syödä rahaa."
(Tier ... getötet, See ... verschmutzt, Baum ... gefällt, ... dann wird der Mensch sich darüber klar, daß er ...)

Jetzt noch mal Estnisch:
- wörtlich, aber andere Reihenfolge:
"Alles siis, kui viimane jõgi on reostatud, alles siis kui, viimane kala on surnud, alles siis, kui viimane puu on maha raiutud, mõistate te, et raha ei saa süüa."
(Fluß ... verschmutzt, Fisch ... getötet, Baum ... gefällt, ... dann merkt Ihr, daß man ...)


Abwandlungen scheinen an der Ostsee nicht so beliebt zu sein, bei einer oberflächlichen Suche hab ich nichts weiteres gefunden.
Wichte sind wichtig.
Benutzeravatar
merz
Beiträge: 73
Registriert: Mi Sep 01, 2004 1:14 pm

Beitrag von merz »

Da mich das ganze nicht losgelassen hat, gibt's jetzt auch noch die lettische Version.

wörtliche Übersetzung:
Tikai kad pēdējais koks būs nocirsts, pēdējā zivs noķerta un pēdējā upe saindēta, cilvēki sapratīs, ka naudu nevar ēst.
(Baum ... gefällt sein wird, Fisch ... gefangen, Fluß ... vergiftet, wird der Mensch verstehen, daß er ...)

Außerdem hab ich noch eine längere, "lettisierte" Version gefunden. Wurde wohl in der Saeima (das lettische Parlament) (!) vorgetragen:
Tikai tad, kad pēdējais koks būs nocirsts un meži izputināti, tikai tad, kad pēdējā upe būs sagandēta, ezers un dīķi, tikai tad, kad pēdējā zivs būs noķerta, tikai tad, kad Latvijas zeme būs atdota svešzemniekiem un izpārdota, tikai tad jūs sapratīsit, ka naudu nevar ēst.
(hier mal eine vollständige Übersetzung: Nur dann, wenn der letzte Baum gefällt und die Wälder zerstört (wörtl. ausgelöscht) sein werden, nur dann, wenn der letzte Fluß, See und Teich vergiftet sein wird, nur dann, wenn der letzte Fisch gefangen sein wird, nur dann, wenn Lettlands Erde den Ausländern gegeben und ausverkauft sein wird, nur dann werdet ihr verstehen, daß man Geld nicht essen kann)
Wichte sind wichtig.
Benutzeravatar
Cherno Jobatey
Beiträge: 230
Registriert: Mi Dez 04, 2002 12:53 am

Beitrag von Cherno Jobatey »

***
Zuletzt geändert von Cherno Jobatey am Fr Mär 17, 2017 10:49 am, insgesamt 1-mal geändert.
Hr Sachs

Beitrag von Hr Sachs »

Könnte jemand kurz zusammenfassen, um was es sich im Eröffnungsstrang dreht, hab kein Nerv das alles zu lesen!
Und was war die Intention von Larifari?


Vielen Dank sagt euer

Gunter Sachs
(von jeder Werbefläche strahlend)
Benutzeravatar
Barschel
Wussow Blockwart
Beiträge: 1165
Registriert: Mi Mai 22, 2002 1:58 pm
Wohnort: Hotel Beau-Rivage, Genf
Kontaktdaten:

Beitrag von Barschel »

/me fasst zusammen:

Gehen Sie weiter, Herr Sachs, hier gibt es nichts zu sehen.


Hilft immer wieder gerne:

das dicke b

PS: Und bevor Sie Ihr Geschreibsel nun unter jeden Beitrag setzen wollen, der länger als 2 Zeilen ist, sparen Sie's sich und uns, wir verfügen hier alle über soviel Phanta- bzw. Colasie, das können wir uns dann ja visualisieren.
Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.
Antworten